Aufstelldach oder Hochdach nachrüsten

Der Ausbau des Dachs bei einem Camper ist ein spannendes Projekt, das nicht nur den verfügbaren Raum vergrößert, sondern auch den Komfort und die Funktionalität des Fahrzeugs erheblich steigern kann. Ob für zusätzliche Schlafplätze, Stauraum oder einfach mehr Kopffreiheit, kein tägliches Bettmachen – ein Dachausbau bietet vielseitige Möglichkeiten, um das Wohnmobil an individuelle Bedürfnisse anzupassen. Besonders für Abenteurer, die viel Zeit auf der Straße und in der Natur verbringen, kann ein gut geplanter Dachausbau den Unterschied zwischen einem einfachen Transportmittel und einem gemütlichen Zuhause auf Rädern ausmachen. In diesem Zusammenhang spielen eine Menge von Faktoren eine wichtige Rolle, allein schon die Frage: Soll ich ein Aufstelldach oder ein Hochdach nachrüsten?

In unserer Werkstatt haben wir bereits viele Dachausbauten an ganz unterschiedlichen Fahrzeugen durchgeführt. Hier verwenden wir in der Regel die Dächer von SCA oder Reimo. Gerne besprechen wir mit dir die verschiedenen Varianten, die deinen Anforderungen entsprechen.

Der folgende Leitfaden gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Dachausbauten, die Planungsschritte und die wichtigen Faktoren, die bei der Umsetzung berücksichtigt werden sollten.

Aufstelldach oder Hochdach nachrüsten?

Grundsätzlich hängt die Wahl zwischen einem Aufstelldach, einem Hochdach oder einem Hubdach von deinen spezifischen Bedürfnissen und Prioritäten beim Campen ab. Wenn du Flexibilität und aerodynamische Vorteile suchst, ist ein Aufstelldach wahrscheinlich die bessere Wahl. Wenn du hingegen auf permanente Stehhöhe und zusätzlichen Stauraum Wert legst, könnte ein Hochdach die bessere Option sein. Berücksichtige dabei auch dein Budget, den Aufwand für die Installation und die zukünftige Nutzung des Campers. Bei beiden Varianten wird der Wiederverkaufswert des Fahrzeugs gesteigert, sodass sich die Kosten zumindest teilweise wieder rechnen.

Aufstelldach

Ein Aufstelldach bzw. Schlafdach muss jeweils für das Fahrzeug bzw. für den Fahrzeugtyp zugelassen werden. Es gibt sie für Busse, Kastenwagen, Kombiwagen, Multivan, Caravelle und noch weitere Fahrzeuge. Also ist es kein Problem, Fahrzeuge wie den Citroën Jumpy, Peugeot Expert, Toyota Pro Ace, Opel Zafira, VW Bulli / T4 /T5 /T6 oder den Mercedes Vito nachzurüsten. Aber auch größere Transporter, wie Mercedes Sprinter, Peugeot Boxer, Citroën Jumper, VW Crafter und Fiat Ducato können mit einem Aufstelldach erweitert werden.

Ausstelldach VW Bus

Viele Aufstelldächer öffnen nach vorn und du kommst über die Fahrsitze nach oben. Die andere Variante sind Aufstelldächer, die nach hinten öffnen, was bei der Benutzung der Küche Vorteile in der Stehhöhe bringt. Die Seitenwände bestehen aus einem Zeltbalg, vorwiegend mit Fenstern und Moskitoschutz. Hier einige Vor- und Nachteile, die aber durch die Nutzungsansprüche zu relativieren sind.

Vorteile vom Aufstelldach:

  • Stehhöhe und angenehmeres Raumgefühl
  • Zusätzliches “Schlafzimmer“
  • Keine Höhenbeschränkung, z. B. im Parkhaus
  • Fahrzeug noch als Alltagsfahrzeug nutzbar
  • Aerodynamik – Kraftstoffverbrauch
  • Kein abendlicher Umbau für das Bett
  • Bessere Luftzirkulation bei eingearbeiteten Fenstern
  • Erhöhter Wiederverkaufswert

Nachteile vom Aufstelldach:

  • Wärmedämmung, da weniger Isolation als ein Hochdach und auch
  • Geräuschdämmung von außen geringer
  • Dichtungsprobleme, insbesondere bei unsachgemäßer Behandlung
  • Wetterabhängigkeit, z. B. bei starkem Wind oder Regen und Kälte
  • Einbruchgefahr
  • Stauraum wird nicht vergrößert

Hochdach

Ein Hochdach bietet Komfort und Funktionalität, die besonders für längere Reisen oder den regelmäßigen Gebrauch von Vorteil sind. Es ist eine hervorragende Option für Camper, die von den Vorteilen dauerhafter Stehhöhe, besserer Isolation und zusätzlichem Stauraum profitieren möchten.

Beispiel Hochdach

Vorteile eines Hochdachs:

  • Permanente Stehhöhe: Ein Hochdach ermöglicht es, dauerhaft im Camper aufrecht zu stehen, was den Komfort im Innenraum erheblich erhöht und alltägliche Aktivitäten wie Kochen und Anziehen erleichtert.
  • Zusätzlicher Stauraum: Ein Hochdach bietet zusätzlichen Platz für Stauraum oder Einbauregale, was die Organisation und Aufbewahrung von Gegenständen erleichtert.
  • Komfort: Nicht nach jedem Stopp umräumen und Betten machen. Die Matratze kann einfach liegen bleiben.
  • Wärmedämmung: Hochdächer bieten oft eine bessere Isolation gegen Kälte und Wärme im Vergleich zu Aufstelldächern.
  • Geräuschdämmung: Die festere Konstruktion reduziert Lärmbelästigungen durch Regen, Wind und andere äußere Einflüsse.
  • Einbruchschutz: Hochdächer bieten eine solidere Barriere gegen Einbruchsversuche als Aufstelldächer.
  • Wartungsarm: Da ein Hochdach keine beweglichen Teile hat.
  • Wiederverkaufswert: Ein gut integriertes Hochdach kann den Wiederverkaufswert des Fahrzeugs steigern.

Nachteile eines Hochdachs:

  • Kraftstoffverbrauch: Ein Hochdach erhöht die Gesamthöhe des Fahrzeugs, was zu einem höheren Luftwiderstand führt und den Kraftstoffverbrauch steigert.
  • Fahrverhalten: Das Fahrzeug ist anfälliger für Seitenwind.
  • Höhenbeschränkungen: Das Parken in Tiefgaragen, das Durchfahren von Tunneln oder anderen Bereichen mit Höhenbeschränkungen ist evtl. nicht möglich.
  • Anschaffungskosten: Ein Hochdach ist in der Regel teurer in der Anschaffung und Installation als ein Aufstelldach.
  • Optik: Ein Hochdach verändert das äußere Erscheinungsbild des Fahrzeugs erheblich, was nicht jedem gefallen könnte.
  • Fahrstabilität: Das zusätzliche Gewicht und die erhöhte Höhe des Hochdachs können den Schwerpunkt des Fahrzeugs verändern, was die Fahreigenschaften verändert.

Dach selbst einbauen oder nachrüsten lassen?

Du hast dich entschieden und möchtest dein Fahrzeug mit einem Hochdach oder einem Aufstelldach nachrüsten. Das kannst du natürlich bei handwerklichem Geschick oder mit entsprechender Erfahrung selbst einbauen. Dies ist jedoch mit einigen Unwägbarkeiten und einem Eingriff in die Statik verbunden. Die spätere Abnahme durch TÜV oder DEKRA kann dann auch noch zu einem Problem werden. Wir von Toms Wohnmobile empfehlen den Einbau in einer (natürlich am liebsten unserer) Fachwerkstatt. Der Mehrpreis für den fachgerechten Einbau kann sich im Nachhinein aber rechnen, wenn Nacharbeiten durch eine falsche Installation nötig werden.

Wie sehen die einzelnen Arbeitsschritte beim Dachausbau aus?

Checkliste vor dem Aufbau:

  • Damit in der Werkstatt ohne Stress ein Aufstelldach montiert werden kann, sollte der Van vollständig ausgeräumt sein (dazu zählen nach Möglichkeit auch Einbauten wie Möbel, Schränke, Betten oder nachgerüstete Sitze).
  • Alle Aufbauten wie Solaranlagen, Gepäckträger, LED-Bars oder Ähnliches müssen vom Dach des Vans abgenommen werden.
  • Auch Trennwände, die den Durchgang zwischen Fahrerhaus und Laderaum beschränken, müssen raus.
  • Der Fahrzeughimmel sollte sich in Serienzustand befinden oder – noch besser – bereits demontiert sein.

Dachausbau – die einzelnen Arbeitsschritte

  • Messen und Aufzeichnen des Dachausschnitts
  • Dach aussägen
  • Kanten säubern und schleifen
  • Rostschutz und Hohlraumversiegelung aufbringen
  • Einbaurahmen (Verstärkungsrahmen bei Ausstelldächern) einsetzen, vernieten bzw. verschrauben
  • Neues Aufstell- oder Hochdach mit Sikaflex einsetzen und einen Tag aushärten lassen. Beim Hochdach empfiehlt sich ein auch innen komplett fertiges Dach mit Isolierung und Stoff.
  • Bett bzw. Hubbett einbauen.
  • Letzte Isolierungsarbeiten von außen und natürlich Funktionstest
Dach aussägen
Dachausschnitt bearbeiten
Ausstelldach ankleben
Neus Ausstelldach Funktionstest

Abschließend noch ein ausführliches Video über den Einbau eines Aufstelldachs bei YouTube.

Häufig gestellte Fragen zum Dachausbau bei Camper:

Für wen eignet sich ein Aufstelldach, für wen ein Hochdach?

Aufstelldächer eignen sich für Camper, die zusätzliche Schlafplätze bei geringem Platzbedarf im geschlossenen Zustand benötigen. Hochdächer sind sinnvoll für ganzjährigen Ausbau mit viel Stauraum, Wintercamping und wenn Parkhaushöhen keine Rolle spielen.

Was ist der Unterschied zwischen Aufstelldach, Hubdach und Hochdach?

Aufstelldach: wird an einer Seite schräg aufgeklappt, oft mit Liegefläche kombiniert. Hubdach: wird horizontal angehoben, bietet Stehhöhe ohne Schlafplatz. Hochdach: feste Dachkonstruktion, dauerhaft volle Stehhöhe und Stauraum, aber schwerer und nicht rückrüstbar.

Welche Fahrzeuge eignen sich für ein Aufstelldach?

Gängige Basis sind VW T5/T6, Mercedes Vito/V-Klasse, Ford Transit Custom/Nugget, Renault Trafic und ähnliche Kastenwagen. Viele Hersteller bieten fahrzeugspezifische Dächer an,

Was kostet die Nachrüstung eines Aufstelldachs?

Die Kosten liegen je nach Fahrzeug, Hersteller und Ausstattung zwischen ca. 6.000 und 12.000 Euro inklusive professionellem Einbau.

Was kostet ein Hochdach im Vergleich?

Hochdächer sind als Neufahrzeug-Option oft günstiger als ein nachgerüstetes Aufstelldach, können aber bei Nachrüstung ähnlich teuer sein. Als Aufpreis beim Fahrzeugkauf liegen sie häufig zwischen 3.000 und 7.000 Euro.

Lohnt sich die Nachrüstung eines Aufstelldachs wirtschaftlich?

Ja, ein professionell verbautes Aufstelldach steigert den Wiederverkaufswert deutlich, da solche Fahrzeuge stark nachgefragt sind.

Muss die Nachrüstung vom TÜV abgenommen werden?

Ja, die technische Abnahme durch TÜV, GTÜ oder eine andere Prüfstelle ist zwingend notwendig.

Wie viel Gewicht bringt ein Aufstelldach zusätzlich?

Je nach Hersteller und Modell wiegt ein Aufstelldach inklusive Matratze und Mechanik etwa 90 bis 160 kg. Dieses Gewicht wird von der Zuladung abgezogen.

Ist ein Aufstelldach wintertauglich?

Nur bedingt. Der Zeltbalg bildet eine Kältebrücke. Für Wintercamping empfiehlt sich eine zusätzliche Isolierung (Zeltbalgisolierung oder Thermoisolierung), die den Wärmeverlust deutlich reduziert.

Kann ich auf einem Aufstelldach eine Solaranlage montieren?

Ja, aber die Dachlast ist begrenzt (oft 50 kg). Für eine ernsthafte Solaranlage ist ein Hochdach oft die bessere Wahl, da es mehr Fläche und Traglast bietet.